Boxbote liefert seinen Kunden leckeres Essen, feinste Getränke, Blumen, Drogerieartikel und jetzt auch rezeptfreie Medikamente. 2017 entstand daraus eine neue Idee: die Design- und Social-Media-Agentur INNOIT. Einer der Gründer, Raimund Seibold, spricht im Interview mit dem Magazin Talente für die Region darüber, wie beide Unternehmen zusammenhängen.
2015 hast du mit drei Freunden Boxbote gegründet. Was hat sich seitdem getan?
Raimund Seibold: Wir sind ordentlich gewachsen, auf vier Festangestellte und etwa 30 Kuriere. Vieles ist aber auch gleich geblieben: Wir sind nach wie vor grün, fahren mit dem Fahrrad und wollen die Augsburger Innenstadt supporten. Das kommt bei den Leuten gut an. Dieses Jahr ist außerdem noch einiges geplant: Wir programmieren unter anderem eine neue Plattform, auf der Händler Produkte über unsere Logistik zu ihren Kunden bringen lassen können. Dafür haben wir ein neues Büro in der Innenstadt mit großen Lagerkapazitäten angemietet. Dort kann man dann jederzeit bestellen und wir liefern je nach Bestellungseingang noch am gleichen Werktag aus.
Wie genau funktioniert dieser Lieferservice?
Raimund: Externe Händler bekommen für unsere Plattform ihre eigenen Zugänge. Dadurch können sie ihre Produkte hochladen – natürlich immer in finaler Rücksprache mit uns. Die Logistik, über die das Produkt wiederum an den Kunden kommt, läuft über uns. Immerhin ist das bei Boxbote unsere Kernkompetenz. Verkauft also ein Juwelier beispielsweise einen Dauerbrenner wie eine bestimmte Kette mehrmals die Woche, könnte er seinen Kunden anbieten, diese auch gleich nach Hause liefern zu lassen. Der Händler braucht also weder zusätzliche Lagermöglichkeiten, noch einen eigenen Online-Shop. Und den Endkunden kostet das Ganze nichts extra.
Nun hast du neben Boxbote noch ein weiteres Start-up mitgegründet: die Design- und Social-Media-Agentur INNOIT. Wie kam es dazu?
Raimund: Wir haben immer wieder festgestellt, dass einige unserer Boxbote-Kunden keine neuen Medien professionell einsetzen. Wir selbst sind ein junges Team, das einiges an Social-Media- und Marketing-Skills mitbringt. Da haben wir uns dazu entschlossen, diese Skills auch unseren Kunden anzubieten. Ein Best-Practice-Beispiel konnten wir praktischerweise gleich vorweisen: Von Tag eins an haben wir unser digitales Marketing bei Boxbote komplett selbst in die Hand genommen.
Gibt es daneben noch andere Pluspunkte, die du aus der gemeinsamen Arbeit in beiden Start-ups ziehen kannst?
Raimund: Auf jeden Fall. Ich merke zum Beispiel, dass Boxbote genau der richtige Eisbrecher ist, um mit anderen ins Gespräch zu kommen. Wir sind jung und hip und haben coole Ziele, eben wie die Augsburger Innenstadt wirtschaftlich voranzutreiben. Darauf steigen meine Gesprächspartner gerne ein. Würde ich sagen, ich komme von einer Social-Media-Agentur, dann wäre das Gespräch oft gleich wieder beendet (lacht). Wahrscheinlich merkt man mir in solchen Gesprächen aber auch einfach an, dass mein Herz nach wie vor für Boxbote schlägt. Das ist mein Baby. Für INNOIT bin ich dagegen eher der Stratege, das Gesicht und der Networker. Weshalb ich bei den ersten Gesprächen immer dabei bin, das Projekt danach aber an die jeweils verantwortlichen Projektmanager und Gestalter übergebe.
Du warst beim letzten Talente für die Region Netzwerktreffen im Landratsamt als Speaker dabei. Welche Vorteile siehst du in diesem Projekt?
Raimund: Ich bin ein großer Fan von Augsburg und kann es gar nicht verstehen, warum so viele zum Beispiel nach München wollen. Es gibt hier außerdem so viele tolle Unternehmen, von denen man die meisten allerdings gar nicht kennt. Bei Talente für die Region kommen sie in einer lockeren und dennoch konstruktiven Atmosphäre zusammen und tauschen sich aus. Das ist für mich auch der Reiz dabei: Den Mittelstand Augsburgs und Bayerisch-Schwabens kennenzulernen und vor allem die Menschen, die dahinter stecken. In diesen Gesprächen können die jüngeren von den älteren Entscheidern viel zur Unternehmensführung lernen. Die Älteren wiederum können sich bei den Jungen einiges in Sachen neues Marketing abschauen – und das alles immer auf Augenhöhe.
Welches Resümee konntest du für Boxbote und INNOIT aus deiner Teilnahme am Netzwerktreffen ziehen?
Raimund: Es war toll, unsere Start-ups vorzustellen. Einige kannten uns noch gar nicht und so haben sich nach meiner Rede tolle Gespräche entwickelt. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich zu so einem Treffen nicht mit einem Bündel Visitenkarten gehe, damit jeder in Zukunft sein Essen bei uns bestellt. Das ist nicht meine Mentalität. Ich würde von mir selbst behaupten, ein guter Verkäufer zu sein – aber auf die Nerven gehen möchte ich dabei niemandem. Und die Strategie hat sich schon oft ausgezahlt. Denn wer dann auf mich zukommt, hat echtes Interesse an einer Zusammenarbeit. So auch in diesem Fall: Während des Netzwerktreffens konnte ich mit einem potenziellen neuen Großkunden eine mögliche Strategie besprechen – und das ganz locker beim gemeinsamen Abendessen.